Zahnfleischbehandlung bei Parodontitis

 

 

Parodontosebehandlung / Parodontaltherapie / PA Behandlung

Parodontitis eine Volkskrankheit

Die Zahnfleischbehandlung dient der Beseitigung einer Parodontitis, das heißt der Entzündung des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates. Die Parodontitis, früher auch als Parodontose bezeichnet, verläuft im Anfangsstadium vom Patienten meist unbemerkt und ist bei uns die am weitesten verbreitete Zahnerkrankung.

Nach einer Erhebung der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie aus dem Jahr 2014 leiden trotz insgesamt rückläufiger Zahlen noch über 50 Prozent der jüngeren Erwachsenen darunter. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich die Tendenz, so dass bei den 75-bis 100-Jährigen sogar neun von 10 Menschen an einer Parodontitis erkrankt sind. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass immer weniger Zähne durch Karies verloren gehen und nun bis ins hohe Alter im Mund verbleiben. Im Alter ist Parodontitis mittlerweile der häufigste Grund für Zahnverlust.

Entstehung der Zahnfleischentzündung: Fehler der Natur?

Leider hat die Natur für unsere Zähne keine perfekte Reinigung vorgesehen. Die Archäologie beweist, dass schon in grauer Vorzeit Zähne durch Zahnfleischentzündung und Karies verloren gingen. Die Mundhöhle ist natürlicherweise mit Bakterien besiedelt. Diese setzten sich als Biofilm auf die Zahnoberflächen. Bei jedem Essen werden die Bakterien zwar durch die Nahrungszerkleinerung zum Teil entfernt. Allerdings nur in den wenigen Zonen, in denen sie durch das Kauen der Nahrung abgerieben werden. Diese Zonen nennt man Zonen der Selbstreinigung. In allen anderen Gebieten, besonders zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand, bleiben die Bakterien haften vermehren sich. Bleibt hier eine Reinigung aus, wird der Zahnbelag mit der Zeit dicker. Die sogenannte Plaque ist entstanden. An den Unterkieferfrontzähnen verkalkt die Plaque am Zahnfleischrand meist zu Zahnstein.
Gefördert wird die Plaquebildung durch klebrige Nahrungsreste und schlecht zu reinigende Nischen zwischen den Zähnen und bei überstehenden Füllungs- und Kronenrändern. Durch Zunahme der Plaqueanlagerung entsteht als erstes Stadium eine Zahnfleischentzündung, die sogenannte Gingivitis. Wird die Plaque in diesem Zustand entfernt, so ist die Gingivitis vollständig reversibel.

Mit zunehmender Dicke ändert sich die Zusammensetzung der Plaque. Es treten immer mehr aggressive Erreger auf, die Stoffwechselprodukte erzeugen, die zu einer Entzündungsreaktion führen. Das Zahnfleisch schwillt an, der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch, die Zahnfleischtasche, wird tiefer und das Zahnfleisch blutet leicht bei Berührung. Es entsteht Mundgeruch.

Bei guter Abwehrlage kann dieser Zustand über Jahre andauern, ohne dass Abbau an den Geweben erfolgt, die den Zahn im Kiefer halten. Meist jedoch entsteht mit der Zeit Parodontitis.

Zahnzement, Wurzelhaut und Knochen halten den Zahn im Kiefer (Zahnhalteapparat). Wenn die Situation zwischen Entzündungserregern und Immunabwehr mit der Zeit weiter aus dem Gleichgewicht kommt, reagiert der Körper mit vermehrter Bildung von Abwehrgewebe (Granulationsgewebe), das dann zunehmend den Platz des Zahnhalteapparates einnimmt. Der Verlust an Zahnhalteapparat ist schleichend, unterhält sich selbst und wird vom Patienten erst bemerkt, wenn die Zähne sich lockern und kaum mehr zu retten sind. Der Zahnarzt kann im Frühstadium der Parodontitis als erste Anzeichen tiefe Zahnfleischtaschen mit harten Belägen (Konkrementen) und auf dem Röntgenbild sichtbaren Knochenschwund feststellen. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen und der Schwund des Zahnhalteapparates zeigen dabei die Schwere der Erkrankung an (Attachmentverlust). Weitere Faktoren, die bei Parodontitis den Gewebeabbau beschleunigen sind falsche Zahnbelastung, Lücken- und Fehlstellungen der Zähne, bestimmte chronische Allgemeinerkrankungen und genetische Faktoren.

Systematische Zahnfleischbehandlung

Früher waren die Methoden der Zahnfleischbehandlung für den Patienten sehr belastend, so dass auch heute noch viele Patienten Angst davor haben. Diese Angst ist heute nicht mehr gerechtfertigt, da heute gewebeschonend und gewebeaufbauend vorgegangen wird.

Hygienephase

Am Anfang der Zahnfleischbehandlung steht die Hygienephase. Wir registrieren den Plaquebefall an Ihren Zähnen genau, dokumentieren die betreffenden Zonen und können so gezielt Fehler in der Zahnputztechnik korrigieren und Ihnen Tipps zur Verbesserung Ihrer Mundhygiene geben. Für Ihre individuelle Situation werden gegebenenfalls zusätzlich aus dem breiten Angebot der Mundhygieneartikel passende Hilfsmittel ausgesucht. Deren Gebrauch wird demonstriert und mit Ihnen geübt. Nach der Registrierung des Mundhygienezustandes werden die oberhalb des Zahnfleischs befindlichen weichen und harten Beläge schonend mit modernen Instrumenten (Airflow, Airscaler) entfernt und glatte, saubere Zahnoberflächen hergestellt. Diese werden zum Abschluss mit Fluorid gehärtet. Einige Zeit später wird dann in einer zweiten Sitzung der Erfolg der professionellen Zahnreinigung und Ihrer verbesserten Mundhygiene beurteilt. Dann wird in einem Therapieplan der Umfang der weiteren zahnärztlichen Maßnahmen festgelegt

Kürettage

Leichte und mittelschwere Parodontitisformen können durch konservierende Parodontalbehandlung erfolgreich behandelt werden. Hierbei kommen zur Entfernung der harten und weichen Beläge an den Zahnoberflächen unter anderem moderne Pulverstrahlgeräte (Airflow), luftgetriebene schnellschwingende Instrumente (Airscailer) und sehr zierliche Löffel (Küretten) zum Einsatz. Der Zugang zu den Belägen erfolgt unter leichter Lokalanästhesie von oben durch die Zahnfleischtasche (geschlossene Kürettage).
Sollten bei einzelnen Zähnen im Endstadium der Erkrankung sehr tiefe Taschen mit entsprechend weit fortgeschrittenem Knochenabbau vorliegen, wird minimalchirurgisch eine offene Kürettage vorgenommen. In einigen Fällen werden bei aggressiven Verlaufsformen und bestimmten Erregern auch Antibiotika eingesetzt.

Nach der Parodontitisbehandlung

In der abschließenden Sitzung wird der Erfolg der Behandlung durch Dokumentation von Taschentiefen und Plaque beurteilt, alle Zähne werden nochmal gereinigt (Verfärbungen durch Chlorhexidin) und die Patienten in die Nachsorge entlassen.

Die Nachsorge

Bei einmal erkrankten Patienten besteht ein erhöhtes Risiko erneut zu erkranken. Es ist deshalb notwendig, im Abstand von drei Monaten wieder eine professionelle Zahnreinigung vornehmen zu lassen. Im weiteren Verlauf sind die zeitlichen Abstände dieser Prophylaxe sehr individuell und können bei guter Entwicklung (niedrige Taschentiefen, geringe Belagsbildung) schnell auf ein halbes Jahr ausgedehnt werden. Bei Hochrisikopatienten muss allerdings ein kürzerer Zeitabstand eingehalten werden.

Unser Wiedereinbestellsystem / Recallsystem

Um Ihre Zähne dauerhaft gesund zu halten, erinnern wir Sie gerne in individuell festgelegten Abständen an Ihre zahnärztlichen Untersuchungs- und Prophylaxetermine. Bitte teilen Sie uns mit, wie Sie erinnert werden möchten: per Email, per SMS oder durch einen Anruf.

 

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