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Zahn abgebrochen – was tun?

Zahn abgebrochen – was tun? Zahnärztin Dr. Holstiege in Münster
Zahnärztin Dr. Holstiege

Ein abgebrochener Zahn wirkt im ersten Moment oft erschreckend, ist aber in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Entscheidend ist, ruhig zu bleiben, ein eventuelles Bruchstück richtig aufzubewahren und zeitnah einen Zahnarzttermin zu vereinbaren. Wie dringend es ist, hängt vom Ausmaß ab: Eine kleine abgeplatzte Schmelzecke ist meist unkritisch und kann in Ruhe versorgt werden. Ein größerer Bruch mit freiliegendem Nerv, ein stark gelockerter oder ein komplett herausgeschlagener Zahn dagegen sind Notfälle, die möglichst sofort behandelt werden sollten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was Sie unmittelbar tun können, wie ein abgebrochener Zahn wiederhergestellt wird und wie Sie vorbeugen.

Sofortmaßnahmen: Was Sie in den ersten Minuten tun sollten

Spülen Sie den Mund vorsichtig mit lauwarmem Wasser aus, um Schmutz und eventuelle Splitter zu entfernen. Kühlen Sie eine begleitende Schwellung von außen mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack – kühlen Sie nie mit Eis direkt auf der Haut und vermeiden Sie Wärme, da diese eine Entzündung verstärken kann. Suchen Sie das Bruchstück und bewahren Sie es auf: Bei einem ganz herausgeschlagenen Zahn ist die richtige Lagerung besonders wichtig – ideal ist eine Zahnrettungsbox aus der Apotheke, ersatzweise kalte H-Milch, notfalls Frischhaltefolie oder Speichel. Fassen Sie den Zahn dabei nur an der Krone an, nicht an der Wurzel, und reinigen oder trocknen Sie ihn nicht. Vermeiden Sie sehr heiße, kalte oder harte Speisen und kauen Sie auf der anderen Seite. Bei starken Schmerzen kann ein rezeptfreies Schmerzmittel nach Packungsbeilage die Zeit bis zum Termin überbrücken.

Wie kommt es überhaupt zu einem abgebrochenen Zahn?

Zähne brechen selten ohne Grund. Häufige Ursachen sind Stürze und Unfälle – etwa beim Sport, beim Radfahren oder im Alltag –, ein Biss auf etwas sehr Hartes wie einen Obstkern, eine Nussschale oder unbemerkte Fremdkörper im Essen. Auch bereits geschwächte Zähne sind anfällig: große alte Füllungen, unbehandelte Karies, wurzelbehandelte Zähne ohne schützende Überkronung oder ein über Jahre durch nächtliches Zähneknirschen abgenutzter Schmelz erhöhen das Risiko deutlich. Wer die Ursache kennt, kann gezielter vorbeugen – dazu weiter unten mehr.

Kleiner Abbruch oder großer Bruch – warum das den Unterschied macht

Der Zahn besteht aus mehreren Schichten: dem harten äußeren Zahnschmelz, dem darunterliegenden, empfindlicheren Dentin und dem innen liegenden Zahnmark (Pulpa) mit Nerv und Blutgefäßen. Ist nur ein Stück Schmelz abgeplatzt, spüren Sie meist keinen oder kaum Schmerz – die Versorgung ist dann vor allem ein ästhetisches Thema und nicht eilig. Reicht der Bruch bis ins Dentin, reagiert der Zahn häufig empfindlich auf Kälte, Wärme oder Süßes, weil die feinen Kanälchen zum Nerv nun offenliegen. Ist die Pulpa betroffen, liegt der Nerv frei oder blutet der Zahn, ist das schmerzhaft und dringend: Über die offene Stelle können Bakterien ins Zahninnere eindringen und eine Entzündung auslösen, die unbehandelt bis zur Wurzelspitze fortschreitet. Ein solcher Zahn sollte rasch versorgt werden, um ihn zu erhalten.

Wie ein abgebrochener Zahn wiederhergestellt wird

Welche Behandlung nötig ist, richtet sich nach dem Ausmaß des Schadens und danach, ob der Nerv betroffen ist. Bei kleinen Defekten lässt sich der Zahn häufig mit einer zahnfarbenen Kunststofffüllung (Bonding) in einer Sitzung unauffällig aufbauen. Im sichtbaren Frontzahnbereich können dünne Verblendschalen (Veneers) eine ästhetische Lösung sein. Bei größerem Substanzverlust sorgen Teilkronen oder Kronen für Stabilität, indem sie den Zahn überkappen. Ist der Nerv entzündet oder abgestorben, wird in der Regel zunächst eine Wurzelbehandlung durchgeführt, bevor der Zahn überkront wird – so lässt er sich oft noch viele Jahre erhalten.

Wurde ein Zahn vollständig herausgeschlagen, kann er unter günstigen Umständen wieder eingesetzt (replantiert) werden. Die Erfolgsaussichten sind in den ersten ein bis zwei Stunden am größten und hängen stark davon ab, wie gut der Zahn gelagert wurde. Lässt sich der Zahn nicht erhalten, stehen später verschiedene Möglichkeiten des Zahnersatzes zur Verfügung – von der Brücke bis zum Implantat. Welche Lösung im Einzelfall sinnvoll ist, klären wir nach einer Untersuchung gemeinsam mit Ihnen.

Wenn bei Kindern ein Zahn abbricht

Gerade im Kindes- und Jugendalter passieren Zahnunfälle häufig – beim Toben, auf dem Spielplatz oder beim Sport. Auch hier gilt: Bruchstück feucht aufbewahren und zügig zahnärztliche Hilfe suchen. Bei einem abgebrochenen Milchzahn steht der Schutz des darunter liegenden bleibenden Zahnkeims im Vordergrund; bei einem verletzten bleibenden Zahn ist rasches Handeln besonders wichtig, weil die Wurzel bei Kindern oft noch nicht vollständig ausgebildet ist. Bewahren Sie Ruhe, trösten Sie Ihr Kind und rufen Sie uns an, damit wir das weitere Vorgehen abstimmen.

Was passiert, wenn man einen abgebrochenen Zahn nicht behandeln lässt?

Auch wenn ein kleiner Abbruch nicht wehtut, sollte er zahnärztlich beurteilt werden. Scharfe Kanten können Zunge oder Wange reizen, und über eine geschwächte Stelle dringt Karies leichter ein. Liegt Dentin oder gar der Nerv frei, drohen ohne Behandlung Entzündungen, Schmerzen und im schlimmsten Fall der Verlust des Zahns. Frühzeitig versorgt lässt sich der Zahn dagegen meist unkompliziert und substanzschonend erhalten.

Was die Behandlung kostet

Die Kosten hängen stark von der nötigen Versorgung ab. Eine einfache Füllung im Rahmen der Grundversorgung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel. Für höherwertige oder besonders ästhetische Lösungen – etwa aufwendige Kronen, Veneers oder Versorgungen im sichtbaren Frontzahnbereich – fällt häufig ein Eigenanteil an. War ein Unfall die Ursache, lohnt sich ein Blick in bestehende Unfall- oder Zahnzusatzversicherungen. Nach einer Untersuchung erstellen wir Ihnen einen Heil- und Kostenplan, sodass Sie vor der Behandlung wissen, was auf Sie zukommt.

So beugen Sie einem abgebrochenen Zahn vor

Ganz vermeiden lässt sich ein Unfall nie, das Risiko aber deutlich senken. Beim Sport mit Kontakt- oder Sturzgefahr schützt ein individuell angepasster Sportmundschutz die Zähne zuverlässig. Wer nachts mit den Zähnen knirscht, schwächt den Schmelz über die Zeit – hier hilft eine Knirscherschiene. Lassen Sie geschwächte Zähne, große alte Füllungen und beginnende Karies rechtzeitig kontrollieren und versorgen, denn intakte Zähne brechen seltener. Und vermeiden Sie es, sehr harte Dinge wie Nussschalen, Eiswürfel, Knochen oder Kugelschreiber mit den Zähnen zu knacken.

Häufige Fragen

Ist Ihnen ein Zahn abgebrochen? Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin: 0251 481 68 7 68

Muss ich sofort zum Zahnarzt, wenn nur eine kleine Ecke abgebrochen ist?

Wenn kein Schmerz besteht und keine scharfe Kante die Zunge verletzt, ist es meist nicht dringend – ein Termin in den nächsten Tagen genügt. Bei Schmerzen, Empfindlichkeit oder freiliegendem Nerv sollten Sie dagegen zeitnah kommen.

Kann ein abgebrochenes Zahnstück wieder angeklebt werden?

In manchen Fällen ja: Ein sauber erhaltenes Bruchstück lässt sich gelegentlich wieder befestigen. Bewahren Sie es deshalb feucht auf und bringen Sie es mit. Ob es sich eignet, entscheidet sich bei der Untersuchung.

Wie lange habe ich Zeit, wenn ein Zahn ganz ausgeschlagen wurde?

Möglichst wenig. Die besten Chancen auf einen Erhalt bestehen in den ersten ein bis zwei Stunden. Zahn feucht lagern (Zahnrettungsbox oder kalte H-Milch), nicht an der Wurzel berühren und sofort zahnärztliche Hilfe suchen – notfalls über den Notdienst.

Tut ein abgebrochener Zahn immer weh?

Nein. Solange nur Schmelz betroffen ist, bleibt es oft schmerzfrei. Schmerz entsteht meist erst, wenn Dentin oder Nerv freiliegen – dann ist eine zeitnahe Behandlung ratsam.

Mein Kind hat sich einen Zahn abgebrochen – was ist zu tun?

Ruhe bewahren, das Bruchstück feucht aufbewahren und uns anrufen. Ob es sich um einen Milchzahn oder einen bleibenden Zahn handelt, macht für das Vorgehen einen Unterschied – das klären wir gemeinsam und handeln bei bleibenden Zähnen zügig.

Kann ein abgebrochener Zahn von selbst heilen?

Nein. Zahnhartsubstanz wächst nicht nach. Ein Abbruch muss zahnärztlich versorgt werden – je früher, desto einfacher und substanzschonender lässt sich der Zahn meist erhalten.