
Eine Wurzelbehandlung wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist dadurch in aller Regel schmerzfrei. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt davon ab, ob der Zahn im Ober- oder Unterkiefer liegt. Bei stark entzündeten Zähnen kann die Betäubung anfangs schwächer wirken – dafür gibt es bewährte Lösungen. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, woran es liegt, wenn es doch zwickt, und was wir tun, damit Sie den Termin ruhig hinter sich bringen.
Sie möchten zuerst wissen, ob eine Wurzelbehandlung bei Ihnen überhaupt nötig ist? Das erklären wir ausführlich im Ratgeber „Wann ist eine Wurzelbehandlung notwendig?“.
Standard ist die örtliche Betäubung. Sie schaltet die Schmerzweiterleitung im Behandlungsgebiet aus, während Sie ansprechbar bleiben und mitbekommen, was passiert. Welches Verfahren wir wählen, richtet sich nach der Lage des Zahnes – der Knochen ist im Ober- und Unterkiefer unterschiedlich aufgebaut.
Der Knochen des Oberkiefers ist vergleichsweise porös. Das Betäubungsmittel wird deshalb in unmittelbarer Nähe der Wurzelspitze eingebracht und kann von dort durch den Knochen zum Nerv vordringen. Die Wirkung setzt meist innerhalb weniger Minuten ein und bleibt eng auf den behandelten Zahn begrenzt.
Der Unterkieferknochen ist dichter, das Mittel gelangt von außen nicht zuverlässig an die Wurzel. Deshalb wird dort der Nervenstrang betäubt, bevor er in den Kiefer eintritt. Das erklärt, warum bei einer Behandlung im Unterkiefer auch die Zunge und die Unterlippe der betroffenen Seite taub werden – ein normaler Begleiteffekt, kein Fehler.
Bleibt der Zahn trotz sachgerechter Betäubung empfindlich, gibt es ergänzende Wege: Das Mittel kann direkt in den Zahnhalteapparat oder – nach Eröffnung des Zahnes – unmittelbar in das entzündete Gewebe eingebracht werden. Diese Verfahren sind gezielt und wirken dort, wo die übliche Betäubung an ihre Grenze kommt.
Für sehr aufwendige Eingriffe oder bei ausgeprägter Behandlungsangst kann eine Behandlung im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose sinnvoll sein. Das ist die Ausnahme und wird vorher in Ruhe besprochen, einschließlich der Frage, was davon die Krankenkasse trägt.
Es gibt einen bekannten Sonderfall: Bei einem akut und stark entzündeten Zahn verändert sich das chemische Milieu im Gewebe. Die örtliche Betäubung kann dadurch schlechter anschlagen als bei einem gesunden Zahn. Fachleute sprechen von einem „heißen Zahn“. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch gemacht wurde – es ist eine bekannte Eigenschaft der Entzündung.
Umgehen lässt sich das auf mehreren Wegen: durch eine höhere Dosierung, durch ein zusätzliches Verfahren aus dem Abschnitt oben, oder indem die Entzündung zunächst abklingt, bevor die eigentliche Behandlung beginnt. Bei sehr akuten Beschwerden ist der erste Schritt manchmal nur, den Zahn zu eröffnen und den Druck herauszunehmen – der Schmerz lässt dann oft sofort deutlich nach.
Der wichtigste Punkt dabei sind Sie: Melden Sie sich, sobald Sie etwas spüren. Wir vereinbaren vor Beginn ein Handzeichen, mit dem Sie jederzeit unterbrechen können. Niemand muss eine Behandlung stumm durchstehen, und je früher wir nachlegen, desto ruhiger verläuft der Termin.
Rechnen Sie mit zwei bis vier Stunden, in denen Lippe, Zunge oder Wange taub bleiben; bei einer Leitungsanästhesie im Unterkiefer eher am oberen Ende dieser Spanne. Solange die Taubheit anhält, sollten Sie nichts Heißes trinken und möglichst nicht kauen – die Gefahr, sich unbemerkt auf Wange oder Zunge zu beißen, ist in dieser Zeit groß.
Legen Sie wichtige Termine, bei denen Sie sprechen müssen, lieber nicht direkt hinter die Behandlung.
Nachdem die Betäubung wirkt und wir das gemeinsam geprüft haben, wird der Zahn – wo möglich – mit einem Spanngummi vom übrigen Mundraum getrennt. Das hält ihn trocken und verhindert, dass Bakterien aus dem Speichel in die Kanäle gelangen; für den langfristigen Erfolg ist das einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Anschließend wird der Zahn eröffnet, das entzündete Gewebe entfernt und das Kanalsystem auf seiner ganzen Länge gereinigt, geformt und gespült. Feine, flexible Instrumente und eine starke Vergrößerung helfen dabei, auch gekrümmte oder schmale Kanäle vollständig zu erfassen. Zum Abschluss wird das Kanalsystem dicht verschlossen.
Eine Sitzung dauert meist ein bis zwei Stunden. Ob ein oder zwei Termine nötig sind, hängt von der Zahl der Kanäle und vom Ausmaß der Entzündung ab.
Technisch ist es in Einzelfällen möglich, etwa wenn der Nerv bereits vollständig abgestorben ist und der Zahn nichts mehr spürt. Es ist aber nichts, wozu wir raten oder was wir voraussetzen. Wenn Sie eine Betäubung ausdrücklich nicht möchten, sprechen Sie uns an – wir schauen dann gemeinsam, was in Ihrem Fall vertretbar ist.
Der umgekehrte Fall ist häufiger: Menschen, die sich vor der Spritze fürchten. Auch dafür gibt es Wege, etwa ein Oberflächengel, das die Einstichstelle vorab unempfindlich macht.
Der schlechte Ruf der Wurzelbehandlung stammt aus einer Zeit mit deutlich begrenzteren Möglichkeiten. Was viele im Rückblick als schlimm erinnern, sind meist die Schmerzen davor – die Entzündung, die sie überhaupt erst in die Praxis geführt hat.
Sagen Sie uns vor dem Termin, wenn Sie Angst haben. Mehr Zeit für die Aufklärung, ein Termin am ruhigen Rand des Tages und die Verabredung, jederzeit unterbrechen zu können, verändern das Erleben oft mehr, als man vorher glaubt.
Unsere Praxis liegt in der Mauritzstraße 23 in der Innenstadt von Münster, wenige Gehminuten von den Haltestellen Eisenbahnstraße und Bült. Bei akuten Zahnschmerzen rufen Sie uns während der Öffnungszeiten an – wir versuchen, Sie kurzfristig einzuplanen.
In der Regel eine örtliche Betäubung: im Oberkiefer meist nahe der Wurzelspitze, im Unterkiefer am Nervenstrang, weil der Knochen dort dichter ist. Reicht das nicht, kann zusätzlich direkt am Zahn betäubt werden.
Eine akute Entzündung verändert das Milieu im Gewebe, was die Wirkung des Betäubungsmittels beeinträchtigen kann. Das ist bekannt und lässt sich mit ergänzenden Verfahren oder mit einer vorgeschalteten Entlastung des Zahnes lösen.
In aller Regel nicht. Wir prüfen die Wirkung vor Beginn und legen bei Bedarf nach. Vereinbart wird zusätzlich ein Handzeichen, mit dem Sie jederzeit unterbrechen können.
Meist zwei bis vier Stunden, im Unterkiefer eher länger. Warten Sie mit heißen Getränken und mit dem Kauen, bis das Gefühl vollständig zurück ist.
Nach einer örtlichen Betäubung in der Regel ja. Nach einer Behandlung im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose nicht – dafür brauchen Sie eine Begleitperson.